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Zehn Jahre GameCube – eine Spieleschau

21. Mai 2012

Am 3.Mai 2002 erschien der GameCube in Deutschland. Das würfelförmige Gerät sollte sich zu einem der kommerziell schwächsten Systeme von Nintendo mausern, traf aber mit seiner „Nichts anderes als Spielen!“-Philosophie, einigen Hochkarätern und nicht zuletzt einem tollen Controller seinerzeit dennoch genau meinen Zeitgeist. Dennoch sollte der relative Misserfolg des Würfels, an dem vor allem der spärliche 3rd-Party-Support sowie das komplette Verschlafen jeglicher Onlinetrends Schuld tragen, den Grundstein für Nintendos zweiten Frühling in Form von Wii und DS legen – eine so klassische Spielekonsole wird es, mindestens von Nintendo, wohl nicht mehr geben.

Die GamerGasse schaut sich daher einige Spiele-Highlights der mittlerweile fast vergessenen Hardware an. Die Liste erhebt freilich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und steht in keiner besonderen Reihenfolge.

Resident Evil 4

Die durchaus verspätete, weil mehrmals neu gestartete Neuinkarnation von Capcoms langlebiger Serie begeisterte letztlich durch eine unheimlich intensive Atmosphäre, spektakulär inszenierte und dennoch prima beherrschbare Kämpfe und einem in seiner motivierenden Kraft nicht zu unterschätzenden Sammel- und Ausrüstungssystem. Das Spiel erlebte einige Neuauflagen auf Wii, PC und den Onlinemarktplätzen von Sony und Microsoft, macht immer noch großen Spaß und kann auch heute noch als Beispiel gelten für einwandfreies und perfekt durchdachtes Spieldesign.

The Legend of Zelda – Twilight Princess

Auch das in Reaktion auf die doch geteilten Meinungen bezüglich des Wind Waker-Grafikstils entstandene Twilight Princess ist wieder eine Ausgeburt an motivierendem Spielfluss und verwebt die typischen Zelda-Zutaten zu einem Spielspaß-Cocktail in Form eines „Ocarina of Time Reloaded“. Und auch wenn erste Abnutzungserscheinungen zutage traten (eine ausführliche Kolumne zum Thema Twilight Princess folgt bald), gibt es doch kaum ein Cube-Spiel, das so lange, so gut, so erstaunend und so gekonnt rätsellastig unterhält wie dieses hier.

Super Mario Sunhine

Bei Bekanntmachung von Marios Urlaubstrip auf eine karibisch anmutende Insel, den er mit einem seltsamen Wasserspritzen-Utensil aufpeppt, waren einige entgeistert. In meinen Augen aber entpuppte sich Super Mario Sunshine als unglaublich durchdachter und dank Wasserspritze auch angenehm anderer Genre-Vertreter, der sich spielerisch und auch qualitativ vom mittlerweile einfach zu stark verklärten Übervater Super Mario 64 absetzt. Lässt man sich einmal auf das ungewohnte Prinzip ein, das dank der der vielfältigen Fähigkeiten der Sprühinstallation auf Marios Rücken auch Taktiken wie ein Um-die-Ecke-Springen erfordert, erkennt man die unheimlich befriedigende Herausforderung und das womöglich beste Level-Design Nintendos seit dem SNES.

The Legend of Zelda: The Wind Waker

Mit Links erstem Cube-Auftritt hat Nintendo neben Super Mario Sunshine meiner Meinung nach sein Meisterstück auf dem Spielekubus abgeliefert. Die unheimlich charmante Zeichentrickoptik zeigt unheimlich viele Details (sogar ein komplettes Sternenbild am Himmel) und Effekte wie Hitzeflimmern, die Inszenierung verblüfft mit heiteren und düsteren Zwischensequenzen sowie hübscher Mimik. Und das weiträumige Meer, das dem Spiel oft als zu leer vorgeworfen wird, vermittelte für mich ein ungeahntes Gefühl seefahrerischer Freiheit, mit dem Schuss Matrosen-Melancholie. Nicht zuletzt die starke Musik hat daran ihren Anteil. Atmosphäre und Inszenierung heben The Wind Waker für mich neben Majoras Mask auf den Zelda-Thron, spielerisch bietet es recht gewohnte Kost prima aufbereitet.

Eternal Darkness

Das schon seit N64-Zeiten entwickelte Spiel war bei Erscheinen bereits keine Schönheit mehr, überzeugt dafür umso mehr durch seine inneren Werte. Ein taktisches Kampfsystem und durchdachte Zaubersprüche halten spielerisch bei der Stange, wesentliche Motivationsfaktoren sind aber Story und Sanity-Einstufung: rund um Hauptdarstellerin Alex Roivas entspinnt sich ein Handlungsgeflecht über den ganzen Globus und die ganze Menschheitsgeschichte; werden die Spielfiguren zulange von schrecklichen Monstern geplagt, erliegen sie schließlich Wahnvorstellungen – das Spiel stürzt vermeintlich ab oder den Charakteren fehlen plötzlich Gliedmaßen. Abgefahren auch die Fliege, die plötzlich auf dem Fernseher rumturnt und verdammt echt aussieht. Die Sanity-Leiste ist ein sprichwörtlich wahnsinnig cooles Feature, das es so bisher nicht mehr gab und allein schon Eternal Darkness spielenswert macht.

Star Wars Rogue Squadron 2: Rogue Leader

Der damals noch existente und seinerzeit in die Nähe von San Francisco übergesiedelte Entwickler Factor 5 holte mit dieser Star Wars-Inkarnation nicht nur bereits zu Beginn der Cube-Ära grafísch fast alles aus der Kiste heraus, sondern bot auch ein ordentlich weiterentwickeltes Spielprinzip mit spannenden Missionen, actionreichen Gefechten und endlich auch Raumschlachten.

Luigis Mansion

Luigi stand zwar ein wenig im übergroßen Schatten seines Klempnerbruders, der sonst immer die Premiere eines neuen Nintendo-Systems einläutete, sein Besuch im Gruselschloss gilt aber heute als Geheimtipp unter den Fans. Nicht nur macht der Einsatz des Geisterstaubsaugers gehörigen Spaß, das Spielprinzip wird mit witzigen Endbossen und immer neuen Räumen auch gekonnt auf die Spitze getrieben. Das i-Tüpfelchen stellt die grandiose Inszenierung dar, bei der Luigi abwechselnd verzweifelt nach Mario ruft oder die Hintergrundmelodie mitpfeift.

Beach Spikers

Segas Arcade-Umsetzung ist eine der wenigen erhältlichen Volleyball-Versoftungen, macht, getreu dem Muster der Virtua Tennis-Titel, ganz schnell ganz viel Spaß und ist im 4-Player-Modus fast unschlagbar gut, wenngleich die Spielmechanik nicht ganz an die gewieften Taktikmatches des Filzball-Bruders heranreichen.

Metroid Prime

Der erste 3D-Auftritt von Nintendos Weltraum-Kopfgeldjägerin hat ein ganze Genre umgekrempelt, indem es in nicht gekannter Weise Adventure-Elemente, Entdeckergeist und handfeste 1st-Person-Action zu einem so gelungenen Abenteuer vermischt, das gleichzeitig auch noch den Geist der Originale atmet, dass man unweigerlich in den hochmotivierenden Strudel von immer neuen Gegenständen und dadurch immer neuen spielerischen Möglichkeiten hineingezogen wird. Dass einem die Steuerung dabei nicht im Weg ist, sondern sogar so brillant umgesetzt ist, dass sogar die Ego-Sprungpassagen Spaß machen, ist eigentlich das größte Verdienst der seit damals nicht mehr aus der Nintendo-Sphäre wegzudenkenden Retro Studios.

Super Smash Bros. Melee

Beat’m’Up-Kenner rollen zwar nur die Augen, die fröhliche Nintendo-Klopperparade ist aber ein Potpourri aus vielen coolen Ideen, unzähligen Minispielen und einem taktisch wahrlich nicht uninteressanten Kampfprinzip. Was den Recken an Handkanten-Präzision fehlen mag, machen sie durch unzählige spaßige Items, einem gelungenen Solo-Modus und einem verboten launigen Mehrspielermodus wieder wett. Die spaßige Metasuche nach Nintendo-Trophäen motiviert darüber hinaus für Monate – so man sich selbst zu den Fans des traditionsreichen japanischen Konzerns zählen kann.

Pikmin

Miyamotos Baby präsentiert die Mischung aus Echtzeit-Taktik und Sammelspiel so charmant, so beherrschbar und so leichtgängig, dass alle Bedenken bezüglich Strategie auf Konsolen hinweggefegt und alle etwaigen Stolpersteine umschifft werden. Die wuseligen Pikmin steuern sich zwar indirekt, aber butterweich, und erledigen brav alle kniffligen Aufgaben, Rätselpassagen und Kämpfe. Dass das Ganze nicht in Echtzeit-Hektik ausartet, sondern in ein extrem anregendes Knobeln, zeigt Miyamotos gewohnte Handschrift sowie seinen Sinn für perfekte Lernkurven.

Tales of Symphonia

Das mittlerweile sündteure Rollenspiel bereichert das auf dem Cube leider arg unterversorgte Genre hochkarätig. Grafik, Sprachausgabe, Geschichte und spielerischer Gehalt ergeben ein selten umfangreiches Epos. Bei den Fans kam besonders gut die emotionale Tiefe mit vielen, durchaus tiefgehenden Geschichten und Details an.

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From → GassenGespräch

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