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Etwas klasch…klaschisch…etwas Altes

10. Mai 2012

Ich habe vor Urzeiten mal ein Review zum SNES-Klassiker Final Fantasy VI geschrieben, dass ich voller nostalgischer Verklärung nochmal aus den Untiefen des Internets gezogen habe und niemandem vorenthalten möchte. Es entstand als Leserbetrag für das alteingesessene Mag’64. Das Original ist immer noch dort zu finden, allerdings nur noch direkt, da die Classic-Ecke nicht mehr existiert. Zum Zwecke der altmodischen Konservierung veröffentliche ich es hier noch einmal. Man sei bitte nachsichtig: das Review war eine Fingerübung vor vielen Jahren…

Heute gibt es einen Spielbericht über das Rollenspiel Final Fantasy VI (SNES, 1 Spieler) von mir.

Zur Erklärung: Nach offizieller (japanischer) Zählweise handelt es sich hier um Teil 6 der Saga, also der letzte „echte“ Final Fantasy-Teil (ohne FFTactics oder Christal Chronicles) der auf einer Nintendo-Konsole erschien, bevor es dann auf der PS1 mit FF7 weiterging. In den USA erschien Teil 6 aber als „Final Fantasy 3″. PAL-Rollenspieler kamen aber erst 2002 in den Genuss des Spiels, als es auf PS1 konvertiert wurde. Alles klar? Eins vorweg: Wie einige vielleicht wissen, genießt FF6 durchaus auch heute noch den Ruf, nicht nur der beste FF-Teil, sondern schlicht auch das beste jemals erschienene Rollenspiel überhaupt zu sein. Ich weiß noch nicht, ob ich diese Frage mit diesem kleinen Testbericht beantworten möchte, dafür ist FF6 fast zu einzigartig, um es vergleichen zu können. Ungewöhnlich nämlich schon der Anfang: Hier wird kein hübsch gezeichneter Junge (wahlweise gerade im häuslichen Bett erwachend) durch die Aneinanderreihung unglücklicher Umstände in eine märchenhafte Geschichte katapultiert, die in nichts anderem gipfelt als die Rettung der Welt. FF6 ist vielmehr die Geschichte von 14 illustren, geheimnisvollen oder manchmal einfach nur tragischen Charakteren. Helden, die keine sind. Einzelgänger, die in der Gruppe um’s Überleben kämpfen. Hier gibt es alles – bloß keine Standard-Kost. Aber alles hat einen Anfang…

Story:

Es herrschte einstmals Krieg, angezettelt von Magiern die eine geheimnisvolle Machtenergie – die „Magi“ – nutzen wollten, um sich gegenseitig zu vernichten. Sie erschufen die Esper, geheimnisvolle Wesen voller magischer Energie. Doch eines Tages erkannten die Magier, welch Leid der Krieg der Erde antat und sie beendeten ihn, indem sie sich gegenseitig versiegelten. Die Esper, verfolgt und aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten missbraucht von den Menschen schufen sich eine eigene Dimension, flüchteten so in ein paralleles Universum und waren nie wieder gesehen. Nun, tausend Jahre später. Die Welt ist in verschiedene Königreiche aufgeteilt. Das Imperium terrorisiert die Menschheit und nimmt ein um die andere Stadt ein. Jetzt soll einer dieser Esper wieder aufgetaucht sein – tiefgefroren. Das Imperium schickte zwei seiner besten Soldaten (FF-Freunde kennen Biggs und Wedge) aus – der Besitz eines Espers würde ungeheure Macht bergen. Bei ihnen ein junges Mädchen namens Terra, eine Sklavin, ihres Willens beraubt durch eine „Gehirnwäsche“-Krone und zugleich der erste spielbare Charakter. Doch die Ereignisse überschlagen sich, Terra muss fliehen und wird in ein gigantisches Abenteuer sondergleichen gesogen, in dem sie nicht einmal die Hauptrolle spielt – im Grunde tut das niemand.

Spiel:

Wie schon angedeutet, dreht sich das Spiel um mehr als nur um Terra, sondern beleuchtet die Schicksale vieler Protagonisten in dramaturgisch perfekt inszenierter Erzählweise. Dabei bringen alle Charaktere ihre eigenen absolut glaubwürdige Biografien und Schicksale ins Geschehen ein. Zwar münden (fast) alle Handlungsstränge im Endeffekt in das Finale, doch die Art und Weise der Erzählung ist anders als in vielen RPG’s: Hier wächst keine Freundschafts-Party zusammen, hier gibt es Intrigen und Geheimnisse, Lügen und Verrat. Besonders hervorzuheben ist, das FF6 ganz bewusst vom typischen „Storyhappen zwischen zwei Dungeons“-Prinzip abweicht. Die Geschichte ist immer präsent, die Erforschung eines Höhlensystems geschieht immer aus einer storytechnischen Notwendigkeit heraus. Das Geschehen ist so erfrischend unberechenbar. Gerne wechselt die Szene vom Staatsbankett zur hastigen Flucht auf den FF-typischen Chocobos. Erst muss Charakter Locke eine vom Imperium besetzte Stadt sabotieren, dann wieder verlieren sich König Edgar und sein Bruder bei einer wilden Floßfahrt. Alles wunderbar eingebettet ins Handlungsgefüge und alles voll spielbar. Keine gar schöne Prnzessin wird entführt und auch ein großer Zwischengegner wartet mal zwischen Tür und Angel anstatt auf einem großen Schloss sein Dasein zu fristen. Nur das Grundthema (vom Imperium und den Rebellen) erinnert an ein Gut-Böse-Schema. Dialoge, Sequenzen und laufende Handlung sind hingegen von einem Hauch von „echtem Leben“ durchzogen: Kein Charakter ist nur fies, keine Vergangenheit so unbescholten, wie man zunächst denkt. Es geht sogar so weit, das der geheimnisvoll-mysteriöse Dunkelmann plötzlich in Tränen ausbricht und über Selbstmord nachdenkt.

Man kann FF6 daher schon fast als sozialkritisch bezeichnen: Was hier nicht alles passiert. Selbstmord, ungewollte Schwangerschaft, Diktatur. Ich behaupte, kein Rollensiel hatte jemals wieder solch einen anspruchsvollen Plot. In ungemein packender Art und Weise erlebt der Spieler hier einen echten Weltuntergang hautnah – und das Spiel ist noch lange nicht vorbei. Die RPG-typischen Kämpfe sind anspruchsvoll gemacht und treten fast schon zu häufig auf – immerhin gut zum Aufleveln. Jeder Charakter hat eigene Spezialfähigkeiten, mit den eingangs erwähnten Espern kann jeder magisch tätig werden. Das bewährte „Active-Battle“-System entpuppt sich nach anfänglicher Skepsis als ungemein dynamisch und spannend – zuweilen kämpft man mit drei unabhängigen Gruppen gleichzeitig.

Das absolute spielerische Highlight ist ein interaktiver Opernbesuch, den man mal gespielt haben muss. Begleitend dazu der schon legendäre Soundtrack mit extra Gänsehaut-Faktor. Besonders das Terra-Thema sorgt für die unvergleichlich melancholisch-epische Atmosphäre, wenn sie mit den beiden Soldaten durch den einsamen Schnee stapft. Eine unvergessene gefühlvolle Erfahrung für jeden Videospieler, und das schon ganz am Anfang des Spiels. Es fällt mir schwer meinen Bericht zu schließen, denn wie so oft bei Ausnahmespielen kann man noch seitenweise schwafeln und schneidet die wahre Essenz eines Spiels nur an.

Grafik:

Für SNES-Verhältnisse ganz gut mit schicken Magie-Effekten. Sicher nicht das aufwändigstes RPG-Projekt, aber in seinen Settings ungemein abwechslungsreich. Die Figuren sind immerhin gut unterscheidbar und durchaus markant gezeichnet. Technisch gibt sich FF6 keine Blöße. Weder flackernde Sprites noch ruckelige Scrollings trüben das Bild.

Sound:

Die Soundeffekte reichen vom Standard-Schwertstreich bis zum kultigen Gelächter von Imperiums-Gehilfe Kefka. Die Musik ist kompositorisch über jeden Zweifel erhaben und gilt zurecht bis heute als Meisterstück der FF-Serie.

Steuerung:

RPG-Erfahrene haben keine Probleme, Neulinge brauchen ein paar Minuten, um die Menüs zu durchblicken. Nach kurzer Eingewöhnung gehen besonders die Kämpfe aber wunderbar leichtgängig von der Hand. Das Eintauchen in die Welt fällt nicht schwer.

Fazit:

Final Fantasy VI hat zurecht Videospielgeschichte geschrieben. Obwohl es spürbar der Vater vieler moderner RPG’s ist, so ist es doch einzigartig. Besonders beeindruckend ist der enorme Abwechslungsreichtum, der sich wohltuend von eingefahrenen Prinzipien abhebt. Square hat hier ein Werk geschaffen, das in puncto Erzählweise, cineastischer Inszenierung und Schaffung einer spürbar echten Welt sicher eines der Meisterstücke der Videospielgeschichte darstellt. Die Geschichte ist perfekt ausgearbeitet – nie glaubt man, nur einen Lückenfüller-Abschnitt zu zocken. Die Charaktere sind absolut glaubwürdig in Szene gesetzt. Der Verzicht auf einen absoluten Hauptcharakter kommt dem Spiel meiner Meinung nach absolut entgegen. Atmosphäre, spielerische Ideen und Handlung ergeben in meinen Augen das bisher beste Rollenspiel. Eine Wertung gebe ich nicht, das möchte ich jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall ein Ausnahmetitel.

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From → GassenGames

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