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Der Star von Red Dead Redemption

14. Februar 2012

Dass Read Dead Redemption für Rockstar-Verhältnisse nicht nur eine ungewöhnlich dichte Story erzählt, sondern auch noch angereichert ist mit allerlei denkwürdigen Momenten, ist wohl mittlerweile bekannt. Leider hinterließ das Epos bei mir nicht so einen starken Eindruck; daran hat das Spiel aber keine Schuld.

Erstens war ich schlicht überhyped: allenthalben liest man von tief bewegten Menschen, tränenden Augen und Welten, die nie mehr die gleichen sein werden. Mit dementsprechend überstrapazierten Erwartungen ging ich ans Spielen. Zweitens wurde ich auch irgendwann über das Ende gespoilert, das also keine Überraschung mehr für mich war. Drittens mag ich einfach keine Cowboys und keinen Wilden Westen. Und viertens, und das ist schließlich doch die Schuld des Spiels, halte ich das Startgebiet für die mit Abstand unspektakulärste Gegend in RDR.

Aber ich bin Rockstar-Liebhaber erster Stunde und auch wenn mich der erste Ritt nach Mexiko oder die dramatischen Abläufe am Ende nicht so bewegt haben wie andere, war das Spiel für mich dennoch ein einziges Vergnügen. Denn mit fortschreitender Dauer wird das Ding immer besser, weiß man die vielen Details und Freiheiten immer mehr zu schätzen. Außerdem: Grundstimmung und Atmosphäre haben mich ja trotzdem gepackt.

Und schließlich hatte auch ich meinen ganz besonderen Moment: irgendwo zwischen leicht enttäuschten Erwartungen auf der einen Seite und der üblichen Rockstar‘schen Open-World-Suchtspirale auf der anderen treffen mich die zwei schönsten Spielstunden seit langem mit voller Wucht. Gerade dann, als es mal nicht um dramatische Storywendungen oder charakterfestigende Cutscenes geht, als das Spiel einfach nur Spiel sein will, erlebe ich denkwürdiges Gameplay in Reinform.

Es geschieht, wenn man gerade nach Mexiko übersetzen will: Irish, freilich ein durchgeknallter Rockstar-Charakter, hat ein Floß organisiert. Natürlich geht die Flussüberquerung schief, man wird beschossen und muss erst ein gutes Stück flussabwärts treiben, während man sich einer gefühlten Armee an gegnerischen Schergen erwehrt. Für mich der Auftakt zu den stärksten Momenten von Red Dead Redemption. Zweites großes Highlight: man muss einen Zug eskortieren. Man reitet dem Dampfgefährt also hinterher und wehrt, freilich, Feinde ab.

Nicht in seiner Dramaturgie und nicht in den gut gemachten Dialogszenen macht Rockstar für mich seinen größten Schritt nach vorne, sondern in dieser Selbstverständlichkeit, wie man seine Welt nutzt: natürlich schippert man flussabwärts, wenn man nicht an Land kommt. Natürlich reitet man einem Zug kilometerweit hinterher, wenn der dampfend und ächzend die mexikanische Prärie durchquert.

Was mich so fasziniert ist, dass diese Spannung und dieser Spielspaß sich nicht aus den Zwischensequenzen oder irgendwelchen extra zusammengebastelten Levelabschnitten generiert; stattdessen werden aus dem Spielverlauf längst bekannte Spielelemente schlicht und einfach höchst gekonnt verwoben, freilich mit einigen Skripts angereichert und dann aber auf den Spieler losgelassen. Hier ist man wirklich Teil einer großen Welt, hier warten die CPU-Statisten nicht einfach nur auf ihren Einsatz, weil der Spieler eine Linie überschritten hat. Natürlich ist John Marston die dramaturgische Hauptfigur dieser Missionen, keine Frage. Aber er verändert die höchst glaubwürdig erzählten Abläufe nur ein wenig, er ist nicht ihr Hauptakteur.

Der Star von Red Dead Redemption ist die Natürlichkeit seiner Welt. Auch wenn mir die von GTA IV besser gefällt. Aber das ist ein Thema für eine andere Kolumne.

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From → GassenGames

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