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Neue Serie – Verkannte Spieleperlen: Dark Void

12. Februar 2012

Die GamerGasse schaut sich ab jetzt in unregelmäßigen Abständen die Stiefkinder der Spielewelt an: übersehene Perlen, zu Unrecht verschmähte Geheimtipps und Ladenhüter, die trotzdem wertvoll sind. Manchmal auch nur wegen vier überragender Stunden – sowie in Dark Void.

Das ist einfach kein gutes Spiel. Nach den ersten 3 bis 4 Stunden voll von stupidem Geballer in seltsam zusammengeschraubten Welten und – auch wenn man interessanterweise gar Nikola Tesla begegnet – begleitet von mindestens blassen, wenn nicht unsympathischen Charakteren, kann das Fazit gar nicht anders lauten. Wäre nicht diese coole Einleitungssequenz gewesen, in der man kurz mit dem Jetpack eine Patrouillenroute abfliegt, hätte ich wohl kaum durchgehalten.

Überhaupt das Jetpack, jenes Feature, das von der Spielejournaille im Vorfeld nicht nur als das Alleinstellungsmerkmal, sondern als überhaupt einzige interessante Besonderheit des Spiels ausgerufen wurde. Und tatsächlich ist das Fluggerät auch der Grund, warum Dark Void nicht nur als Geheimtipp auf der GamerGasse auftaucht, sondern auch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnimmt. Denn was Dark Void an Schelte hat hinnehmen müssen ist schlicht unfair und wird dem Erlebnis späterer Spielstunden auch nicht gerecht. Richtig ist: die ersten Stunden kämpft man nicht nur gegen immer gleiche, stilistisch wackelige Roboteraliens, sondern auch gegen eine allzu stupide Spielmechanik: das Coversystem ist altbekannt und funktioniert leidlich gut, das lineare Leveldesign schickt den Spieler durch Schläuche von einem Kampf zum nächsten und wird höchstens mal von vertikalen Kämpfen aufgelockert; hier kämpft man sich praktisch von oben nach unten oder vice versa. Das sieht allerdings weit weniger spektakulär aus, als es sein könnte und unterscheidet sich praktisch kaum vom horizontalen Deckungskampf. Aber immerhin lässt es bereits den Drall des Spiels zur Vertikalen, das Aufbrechen des ewig gleichen Kampfes auf nur einer Ebene, erkennen, das besonders häufig in den ersten Jahren der aktuellen Konsolengeneration unentwegt abgefeiert wurde.

Und dann schließlich bekommt man das Jetpack. Zunächst kann man damit nur besonders gewagte Sprünge vollführen oder mal ein spektakuläres Ausweichmanöver. Dann jedoch bastelt Tavi, der Kumpel des Hauptdarstellers, ein bisschen an dem ungewöhnlichen Fortbewegungsmittel ´rum und fortan kann man, verdammt nochmal, fliegen. Dieser Moment hat mich schlichtweg begeistert: das Jetpack funktioniert sofort richtig gut, kinderleicht saust man durch die Lüfte und dennoch ist die Handhabung angenehm komplex; gewagte Manöver gehen erst mit einiger Übung flüssig von der Hand. Man merkt dem Spiel die Erfahrung der Designer Airtight Games an, die teilweise schon für die ulkige Flugaction Crimson Skies verantwortlich zeichneten und sich daher bestens mit dem Fliegen auskennen. Alsbald vollführt man richtige kleine Kunststückchen, weicht Geschossen präzise aus, macht eine Kehrtwende und nimmt den Gegner aufs Korn, um sich blitzschnell hinter ihn zu versetzen und auszuschalten. Ein cooles Gefühl.

Und ab diesem Punkt wird Dark Void für mich zu einem einzigen großen Magic Moment oder wenigstens zur Aneinanderreihung unglaublicher Situationen: einmal jagt man aus gefühlten 300 Metern Höhe auf einen kleinen Strand hinab, um ein fieses Metallmonster aufzuhalten, dann wieder wirft man sich in einen Abgrund, nur um kurz vor dem tödlichen Aufprall noch das Jetpack anzuwerfen. Am beeindruckendsten war für mich die Szene, in der man aus einem in den Felsen gehauenen Rebellendorf zu einer Patrouille aufbricht, dabei locker ein paar Kilometer umrundet und schließlich wieder zurückkehrt – ein richtig organisches Erlebnis ganz ohne Ladezeiten oder Ruckler, in dem Herumlaufen und Fliegen fließend ineinander übergehen. Ebenso, als man zunächst weit in die Luft fliegt, um dann stufenlos in eine riesigen Reaktor einzutauchen.

Man merkt dem metallischen Stil des Spiels die Unreal-Engine zwar ganz besonders an, dennoch ist die Technik beeindruckend, da sie hier naturgemäß für eine enorme Weitsicht, flüssige Animationen und vor allem riesengroße architektonische Konstruktionen eingesetzt wird – was man hier teilweise an riesigen Levels besucht, ist unglaublich und kein Vergleich zu den Schlauchlevels des ersten Teils des Spiels. Allein der Endkampf, ohne hier allzu viel vorwegnehmen zu wollen, findet in einer gigantischen Arena statt.

Leider geht dieser Rausch des Fliegens nach 3 bis 4 Stunden schon wieder vorbei. Und leider ist dieser zweite Teil von Dark Void auch hin und wieder durchsetzt von den oben angesprochenen schwachen Kampfsituationen in beengten Levels, die durch das Jetpack immerhin ein wenig aufgelockert werden. Und mit der wirren Story kann man sich wohl kaum so recht anfreunden, wenngleich sie einige nette Momente schafft.

Was bleibt ist also ein 8-Stunden-Spiel, das 4 Stunden lang nicht gut ist, dessen zweiten 4-Stunden-Part ich allerdings in meiner Zockerkarriere nicht missen möchte. Das Spiel kriegt man mittlerweile allenthalben für 5 Euro oder weniger nachgeschmissen. Wer es schafft, den ersten zähen Teil durchzustehen und sich vor allem nicht von der in der Regel recht einseitigen Berichterstattung blenden zu lassen, wird nicht enttäuscht.

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From → GassenGames

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